Was nützt es?

Trotz gegenteiliger Fakten hält sich die Idee der Vorhersagbarkeit der Zukunft hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Daryl J. Bem, Professor der Psychologie der Cornell Universität hat sich in 9 Experimenten mit dem Thema Präkognition in diesem Artikel befaßt und meint, Beweise für das Vorhandensein solcher Fähigkeiten gefunden zu haben. Ich möchte hier gar nicht inhaltlich auf diesen Artikel eingehen; dies tun schon andere.
Interessanter finde ich die Frage, welche Implikation die Idee der Vorhersagbarkeit der Zukunft für mein Leben hätte. Unabhängig davon, auf der Basis welcher Informationen eine solche Vorhersage stattfinden könnte, was bedeutet die Möglichkeit einer solchen Vorhersage für mich?

Ich muß in meinem Leben Entscheidungen treffen, Rückschläge, Scheitern hinnehmen, Krankheiten aushalten, erfahren, daß ich auf viele Dinge keinen Einfluß habe und die Gewissheit über die Endlichkeit des eigenen Lebens akzeptieren und damit umgehen lernen. Ich lerne aber auch, wie ich innerhalb dieses Rahmens mein Leben gestalten kann, wie ich immer wieder den Mut finde, Veränderungen in meinem Leben herbeizuführen. Dies alles sind große Herausforderungen, die oft an Grenzen führen, die Ängste und Spannungen auslösen.

Verständlich ist daher der Wunsch nach einer Vereinfachung. Weiß ich, was mich in Zukunft erwartet, kann ich mich besser darauf vorbereiten. Bezogen auf die Idee der Vorhersagbarkeit ist meine Zukunft ist dann aber auch festgelegt, da sie ja vorhersagbar ist, ich habe wenig Einfluß darauf. Ich bin daher von wichtigen Entscheidungen befreit, muss mir keine Gedanken mehr über das Für und Wider von Optionen machen, kann mich zurücklehne und alles auf mich zukommen lassen? Ich bin also nicht mehr verantwortlich. Es ist der Versuch einer Spannungsreduktion, der uns leider die Mittel, die uns zur Gestaltung unseres Lebens bleiben, aus der Hand nimmt.

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