Zwanghaft zerstreut – ADHS bei Erwachsenen

Aufschieben, Unkonzentriertheit und Ablenkbarkeit, innere Unruhe sowie flüchtiges, risikoreiches Verhalten sind typische (wenn auch nicht spezifische) Verhaltensweisen für eine Aufmerksamkeitsstörung (ADHS).

ADHS bei Erwachsenen ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit der Forschung gerückt und wird vornehmlich als eine Störung der Selbstregulation gesehen. 25% aller extremen (studentischen) Aufschieber zeigten in einer Studie der Universität Münster Symptome von ADHS. [1]

Gut untersucht sind heute neurobiologische Grundlagen, die, entgegen häufiger Darstellungen zwar als biologische Vulnerabilität wirken, also das Risiko zur Entwicklung einer ADHS erhöhen, aber nicht die alleinige Ursache einer ADHS bilden. Eine Kombination aus dieser biologischen Vulnerabilität mit sozialen und psychischen Faktoren kann zu einer Störung der Aufmerksamkeit führen.

Neuere Forschung sieht die ADHS daher als eine Störung, die sich auf unterschiedlichen Wegen entwickelt:

Funktionale Defizite in der Informationsverarbeitung und der Impulskontrolle werden als eher mögliche Startbedingungen, aber doch mit peripherer Bedeutung gesehen. Davon ausgehend bewirkt die individuelle Lernerfahrung unzureichende soziale Anpassung, Alltagsschwierigkeiten und Entwicklungsrückstände, da diese funktionalen Defizite den Umgang mit sozialen Bezugspersonen erschweren. Dies kann zu einem negativen Feedback führen, welches in der weiteren Entwicklung zur Entstehung und Stabilisierung von Kompetenz- und Leistungsproblemen führt. Hinzu kommt, dass Erwachsene ADHSler sich hier häufig selbst wenig zutrauen.

Diese Sichtweise birgt Konsequenzen für die Behandlung der ADHS: Psychotherapie ist eine Möglichkeit, den Leidensdruck der Klienten zu mindern und zu einer besseren Bewältigung der Alltagsprobleme zu gelangen.

[1] http://wwwpsy.uni-muenster.de/imperia/md/content/psychotherapie_ambulanz/poster_deters.pdf

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