Wie gut sind Zeitmanagement-Seminare?

Der Tagesspiegel widmet sich in seinem Karriereteil vom Wochenende mal wieder dem Thema Zeitmanagement. Seminare zum Thema Zeitmanagement werden vielerorts angeboten und richten sich an ein unterschiedliches Klientel. Aber wie gut und hilfreich sind Sie wirklich?

Fazit: Gute Zeitmanagementseminare setzen auf die Erarbeitung individueller Lösungen, denn Zeitmanagement *ist* individuell. Jeder hat andere Zeitressourcen und eine andere Ressourcenstruktur. Häufig werden solche Seminare auch genutzt, um schon vorhandenes Wissen um das eigene Zeitmanagement nochmal aufzufrischen und sich neuen Schwung zu holen. Sich nach den eigenen Regeln des Zeitmanagements zu richten, fällt häufig sehr schwer, wenn es darum geht, die lang gehegten Gewohnheiten dauerhaft abzulegen. Dies kann gelernt werden, aber für manche sind hier größere Hürden zu überwinden.

Zu faul – oder wie?

Ich möchte einen Workshop mit Promovierenden zum Thema Zeit- und Selbstmanagement für ein paar paar Anmerkungen zum Anlass nehmen.

Die Methoden des Zeitmanagements: ALPEN-Methode der Tagesplanung, Priorisierung nach dem ABC-Prinzip, 60:40 Regel, Paretoprinzip und andere findet man in jedem Buch zum Thema. Dies alles sind Methoden, die man anwenden kann, um sein Zeitmanagement zu verbessern: Sprich: wichtige Aufgaben nicht gleichzeitig dringend werden zu lassen bzw. die eigene Zeit effektiver zu nutzen; auch um von anstrengenden Tätigkeiten zu entspannen.

Die Crux dabei ist, dass hinter dem Phänomen Zeitmanagement auch eine nicht zu vernachlässigende psychologische Komponente steht, die dazu führt, dass bekannte Methoden nicht angewendet werden. Diese Widerstände werden häufig banalisiert, „ich bin zu faul“ oder dürfen nicht sein „ich bin doch in Ordnung“. Ändern wird sich dadurch an diesen Widerständen nichts und so wird man immer wieder an den Punkt gelangen, an dem man wichtige Aufgaben vor sich her schiebt und zu oben genannten Schlussfolgerungen kommt. Dies ist eine gute Methode, den eigenen Selbstwert schrittweise in den Keller zu verfrachten.

Ein wichtiger Schritt, um aus diesen Kreislauf herauszugelangen, ist ein wertfreies Akzeptieren dieser Probleme. „Es ist so, wie es ist.“ Klingt erstmal leicht gesagt, ist aber ein großer Schritt und häufig Ergebnis eines langen (Leidens-)Prozesses. Er ist für viele deshalb hilfreich, weil man einen Teil seiner Selbst nicht mehr verleugnen/beschönigen muss. Dies finde ich einen freundlicheren Umgang mit sich selbst.

Ist dieser Schritt ernsthaft geschafft, kann man sich der Frage widmen, wie man nun mit dieser Situation umgehen möchte. Was kann ich aktuell tun, um dieses Problem anzugehen? Muss ich wissen, wie es entstanden ist, was es für mich bedeutet oder reicht es zunächst, Schritt für Schritt einen neuen Umgang zu erlernen? Ein Akzeptieren der Problematik bringt näher an die Realität und setzt Ressourcen frei, die man braucht, um die Situation zu verändern.

Anti-Aufschieberitis: Verluste abwenden motiviert stärker

Wir sind stärker motiviert, eine unangenehme Aufgabe anzugehen, wenn wir dadurch einen Verlust vermeiden können. Diesem Umstand trägt die Firma StickK Rechnung. Wer einen guten Vorsatz hat, kann hier mit sich selbst einen Vertrag abschließen. Während der Vertragslaufzeit berichtet man über die eigenen Fortschritte (so es sie denn gibt). Selbst benannte Schiedsrichter bestätigen die Erfolge. Bei Aufschieberei wird man per Mail oder SMS informiert. Wird das Ziel nicht erreicht, bucht stickK einen vorher vereinbarten Beitrag vom eigenen Konto ab. Dieses Geld kommt wahlweise einem Freund, einer caritativen Einrichtung oder aber einer Organisation, der man niemals spenden würde, zugute.

Mich würde hier interessieren, wie hoch die Erfolgsquote ist. Ich denke, dass man sich bei Vertragsabschluss schon gut überlegt hat, wie hoch die Chancen sind, diesen zu erfüllen. Schätzt man die Wahrscheinlichkeit sehr gering ein, wird man einen solchen Vertrag nicht abschließen.

Erfahrungsberichte dazu sind herzlich willkommen.

Anti-Aufschieberitis: Sei der Held in einem Computerspiel

Für alle aufschiebenden iPhone-Besitzer gibt es eine Anti-Aufschieberitis-Application. In EpicWin kreiiert man sich einen Charakter, der die eigene ToDo-Liste abarbeiten soll. Natürlich muß man dies in der wirklichen Welt immer noch selbst tun, wird aber im Spiel dafür belohnt und kann beispielsweise zur mistress of task domination aufsteigen.

Auch hier gilt wieder: Wenn es hilft, ist es gut!

Erste systemische Approbationsausbildung in Essen

Nachdem die Systemische Therapie im Gutachten vom  14. Dezember 2008 wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als wissenschaftliches Verfahren anerkannt wurde, bietet das ifs Essen eine Systemische Ausbildung mit dem Ziel einer Approbation an. Wie bei allen anderen staatlich anerkannten Verfahren soll auch hier der angehende Therapeut 1.800 Stunden in der Praxis arbeiten, was an sich ein guter Gedanke ist, wäre da nicht die Tatsache, dass diese Arbeit derzeit in den meisten Fällen nicht bezahlt wird. Eher selten gibt es hier in Berlin über Werkverträge eine kleine Vergütung (Der Höchstbetrag, den ich kenne, beläuft sich auf 200 €/Monat). Eine sehr differenzierte Beschreibung des Themas findet sich hier. Der Artikel ist schon etwas älter, geändert hat sich daran bis heute leider nichts.

Ach ja, mit der Approbation hat man in diesem Falle noch keine Kassenzulassung, d. h. man kann zwar etwas leichter mit den privaten Krankenkassen abrechnen, aber nicht mit den gesetztlichen.