Stressfragen im Vorstellungsgespräch und Assessment Center

Immer wieder erzählen mir Teilnehmer meiner Seminare von schwierigen Fragen im Interview eines Vorstellungsgespräches oder im Assessment Center. Zum Teil werden  sogenannte Stressfragen von den Personalern ganz bewußt gestellt, um die Belastbarkeit des Bewerbers zu testen, schließlich geht es auch im Arbeitsalltag nicht immer nur nett und freundlich zu. Des weiteren fühlt sich der Bewerber aber auch in einer Prüfungssituation und erlebt somit die ein oder andere Frage als verunsichernd und stressig, obwohl diese Frage für einen Außenstehenden vielleicht als ganz normal angesehen würde.

Was tun? Bereiten Sie sich auf das Interview und die möglichen Stressfragen vor und üben Sie deren Beantwortung. Aber vor allem – lassen Sie sich nicht auf die Provokation ein, gehen Sie nicht auf Unterstellungen ein und bleiben Sie auf der Sachebene. Im schlimmsten Fall können Sie immer aufstehen und gehen, aber den Job bekommen Sie dann natürlich nicht.

Hier eine Auswahl an schwierigen Interviewfragen:

- Warum sollten wir gerade Ihnen diese Stelle geben?

- Wären Sie mit der Stelle nicht hoffnungslos überfordert?

- Mal ganz im Vertrauen: man hat Sie wegen Unfähigkeit gekündigt, oder?

- Was würden Sie machen, wenn wir Sie nicht nehmen würden?

- Ich bin mir nicht sicher, ob Sie der geeignete Mitarbeiter für unsere Firma sind, überzeugen Sie mich!

- Würde  diese Stelle nicht einen beruflichen Abstieg für Sie bedeuten?

- Würden Sie sich selbst einstellen?

- Würden Sie überhaupt arbeiten gehen, wenn Sie finanziell abgesichert wären?

- Glauben Sie nicht, dass Sie den Anschluss an die aktuelle Entwicklungen in Ihrem Berufsfeld verpasst haben?

- Sind Sie nicht zu alt für diese Position?

- Wie kamen Sie mit Ihrem letzten Vorgesetzten aus?

- Jetzt mal ganz unter uns: warum wollen Sie wirklich von Ihrem jetzigen Arbeitergeber weg?

- Warum haben Sie bisher noch keinen Job gefunden?

- Was würden Ihre Freunde an Ihnen kritisieren?

- Haben Sie schon viele Absagen bekommen?

- Aus Ihrem Zeugnis entnehme ich, dass Sie wohl Schwierigkeiten damit haben, sich unterzuordnen!

 

Elke Stuhlmann

 

Gemeinsam zum Erfolg – Erfolgsteams werden populärer

Eine wichtige Begleiterscheinung von Aufschieberitis ist ein Mangel von Feedback und die Unterschätzung des eigenen Hilfebedarfs. Häufig werkelt man allein vor sich hin und kommt schwer von der Stelle. Je nach Stimmung wird der Fortschritt bis zur Zielerreichung mal gut, mal schlecht bewertet. Tauchen Schwierigkeiten auf, sinkt die Motivation schnell mal auf den Nullpunkt. Insbesondere Prozesse, die von außen wenig strukturiert sind, beispielsweise bei Selbständigen oder Promovierenden, sind anfällig für solche Störungen.

Da bietet es sich an, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun. Das Konzept des Erfolgsteams ist eine solche Möglichkeit. Hierbei handelt es sich um Gruppen von 4-6 Leuten, die sich regelmäßig in vereinbarten Abständen treffen. Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit werden individuelle Ziele jedes einzelnen Teammitglieds entwickelt. Daran anschließend wird die schrittweise Erreichung dieses Ziels geplant. Auf diesem Weg werden sich die Teammitglieder begleiten. Fortschritte werden zu jedem Treffen berichtet, Schwierigkeiten besprochen. Hierbei kann man die anderen unterstützen und erhält selbst noch hilfreiche Tipps.

Erfolgsteams sind Erfolgskatalysatoren, da sie

  • Raum und Zeit bieten, sich bewusst mit den eigenen Zielen auseinanderzusetzen und aktiv und kontinuierlich am eigenen Erfolgskonzept zu arbeiten,
  • ein ehrliches und offenes Feedback ermöglichen,
  • die Ideen und Ressourcen aller Teammitglieder nutzen,
  • emotionale Unterstützung und
  • sanfte soziale Kontrolle bieten.

Oft ist eine anfängliche Begleitung bei der Gründung eines Erfolgsteams sinnvoll, um gute Vorraussetzung für die gemeinsame Arbeit zu schaffen. Ein Coach kann hierbei moderieren, bei der Zieldefinition unterstützen, kann Entscheidungshilfe bieten, verschiedene Werkzeuge vorstellen oder Möglichkeiten der Auflösung von Blockaden oder Konfliktbewältigung aufzeigen.

Erfolgreiche Personalauswahl – So finden Sie den richtigen Mitarbeiter!

Die Auswahl der richtigen Mitarbeiter gehört zu den wichtigsten und zugleich schwierigsten Aufgaben einer Führungskraft: Innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne während des Vorstellungsgespräches muss das Potential eines Bewerbers treffsicher erkannt und die Passung zum Unternehmen beurteilt werden. Fehlentscheidungen an dieser Stelle können Ihnen teuer zu stehen kommen.

Oft werden Mitarbeiter aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation eingestellt und aufgrund ihrer mangelnden sozialen Kompetenz wieder entlassen. Durch eine gute Vorbereitung des Vorstellungsgespräches, durch zielgerichtete Fragestellungen im Interview und mit Hilfe geschulter Beobachter kann dieses Risiko minimiert werden.

- Überlegen Sie genau, wen Sie suchen und erstellen daraus ein detailiertes Anforderungsprofil, nicht nur die Fachkenntnisse sind hier wichtig, sondern auch Soft Skills wie Verhandlungsgeschick oder Führungsqualitäten

- Analyse der eingegangenen Bewerbungsunterlagen auf Grundlage dieses Anforderungsprofils, auch hier zählt der erste Eindruck der Unterlagen und des Fotos

- Erstellung eines Interviewleitfadens – Überlegen Sie sich konkrete Fragen an den Bewerber, Sie sollten jedem Bewerber die selben Fragen stellen, um ein vergleichbares Ergebnis zu erhalten

- Bewerbungsgespräch möglichst nicht allein führen, so kann einer das Gespräch führen und der andere den Bewerber beobachten

- Kandidatenanalyse – neben den fachlichen Qualitäten – “passt” der Bewerber zu Ihnen – Sie müssen täglich mit ihm arbeiten – und zu Ihrem Team?

Wenn Sie sich nicht sicher sind, führen Sie ein 2. Gespräch mit einem anderen Beobachter, führen Sie 1-2 Übungen aus dem Assessment Center Bereich durch oder lassen Sie den Bewerber mal einen Tag Probearbeiten. Der Aufwand ist hoch, ja, aber die  Kosten bei Fehlentscheidungen sind noch höher.

Meine Erfahrungen beim Führen von Personalauswahlgesprächen zeigte mir, dass Führungskräfte oft mit einer gewissen Betriebsblindheit  ins Gespräch gehen, sich und ihr Unternehmen schlecht verkaufen können, nur auf die fachlichen Qualifikationen achten oder sie mit gewissen Vorurteilen dem Bewerber begegnen, was zu Beobachtungsfehlern führen kann. 

Elke Stuhlmann

 

Nichts für Perfektionisten – das Pareto-Prinzip

Üblicherweise gehen wir davon aus, dass Ursache und Wirkung in einer Beziehung 1:1 zueinander stehen. Bezogen auf unsere Aufgabenliste würde es bedeuten, proportional zur Anzahl der bearbeiteten Aufgaben komme ich meinem angestrebten Ziel nahe.

Intuitiv wissen wir allerdings, dass manche Aufgaben uns schneller dem Ziel näher bringen und andere weniger ertragreich sind. (Oder wir lernen dies erst hinterher.)

Der italienische Volkswirtschaflter Vilfredo Pareto (1848 – 1923) untersuchte die Vermögensverteilung in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Familien ca. 80 % des Vermögens besitzen. Nach ihm wurde diese Erfahrungsregel “Pareto-Prinzip” benannt. Sie besagt allgemein, dass innerhalb einer gegebenen Menge einige wenige Teile einen weitaus größeren Wert aufweisen, als der anteilsmäßig größere Rest der Teile in dieser Menge.

Mehrere Gründe sprechen dafür, auch im Bezug auf das persönliche Zeitmanagement nach dem Pareto-Prinzip zu verfahren.

Es kann dabei helfen, den Drang nach Perfektionismus zu überwinden, denn um 100 % zu erreichen, müssten wir auch die restlichen 80 % unserer Zeit aufwenden. Vergleicht man den Zeiteinsatz mit der Effektivität, steigt diese nur noch wenig – Kosten und Aufwand stehen also nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag.

Um also ein gutes Ergebnis zu erzielen, muss ich jetzt unverhältnismäßig viel Zeit investieren.

Je länger ich am Feinschliff arbeite, desto geringer ist auch der Nutzen, den jede weitere Minute noch bringt. Daher sollte man sich vorher überlegen, wie perfekt das Ergebnis sein muss. In vielen Fällen ist ein gutes Ergebnis völlig ausreichend. Die Zeit ist besser investiert, wenn ich daran gehe, weitere gute Ergebnisse zu produzieren.

Was folgt daraus: Es gibt nur wenige Aufgaben, die wirklich wichtig sind.

Um in der Praxis zu erkennen, welches die entscheidenden Tätigkeiten sind und wann ein Ergebnis gut genug ist, ist es wichtig, dass man sich seiner Ziele bewusst ist.

Sobald ich meine Prioritäten gesetzt habe, um mit möglichst wenig Aufwand den größtmöglichen Nutzen zu erzielen, kann ich beginnen, mich von einigen Aufgaben zu trennen.

Ralf Rangnick – Burnout

Wieder ist ein Prominenter in den Schlagzeilen - Ralf Rangnick hat seine Tätigkeit als Trainer von Schalke aufgrund einer Burnouterkrankung beendet. Nun kann man sich als Externer den Leistungs- und Erfolgsdruck, der in der Sportbranche herrscht, gut vorstellen. Und vielleicht gibt es in der Funktion als Trainer in der Bundesliga keine andere Möglichkeit, als einen harten Schnitt zu machen und seinen Rücktritt bekannt zu geben. Es sollte jedoch in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, dass Burnout gleichzeitig bedeutet, nicht mehr arbeiten zu können.

Burnout bekommt man nicht von heute auf morgen, wie beispielsweise eine Erkältung. Burnout, d.h. Dauerstress, baut sich über einen längeren Zeitraum auf und kündigt sich an. Wer rechtzeitig auf die Signale, d.h. auf seinen Körper, hört und z.B. bei Müdigkeit und Erschöpfung eine Pause macht, nicht über längeren Zeitraum 60 Stunden pro Woche arbeitet und seinen Urlaub nimmt und dann auch wirklich Urlaub macht, kann einer ernsthaften Erkrankung vorbeugen. Zugegeben, es ist nicht leicht, dem herrschenden Leistungdruck etwas entgegen zu setzen, aber für Monate krank geschrieben nutzen Sie dem Unternehmen auch nichts. Wenn es draußen kälter wird, binden Sie sich ein Schal um, damit Sie keine Halsschmerzen bekommen. Wenn nach einer anstrengenden Arbeitswoche endlich Wochenende ist, erholen Sie sich und lassen das Laptop aus, um einer Burnouterkrankung vorzubeugen.

Mehr zu Burnoutprophylaxe auf meiner Homepage www.es-change.de

Elke Stuhlmann

Selbstmanagement – keine Zauberei

Menschen, die viel Aufschieben und deshalb in meine Praxis kommen, haben häufig die Vorstellung, dass man nur “einen Schalter umlegen” müsse, dann würde es schon laufen. Oder es gäbe irgendeinen Trick, der alles leichter macht.
Verändertes Zeitmanagement heißt aber vornehmlich: mit alten Gewohnheiten brechen und sich neue antrainieren. Hat man diese Aufgabe vor Augen, wird klar: ich muss zunächst mehr Energie aufwenden und sehr konsequent und diszipliniert dabei bleiben, bevor sich neue Gewohnheiten etabliert haben. Um alte Gewohnheiten zu verlernen, muss man die neuen etwa vier mal so häufig durchführen.

Ein wichtiger Aspekt dieses Umlernens ist eine Bewußtheit für mich und die Dinge, die ich gerade tu oder noch tun möchte. Es kann sein, dass solche Gedanken Schwierigkeiten bereiten, weil man sehr mit sich selbst konfrontiert wird und dort möglicherweise Konflikte schlummern, die wir nicht ohne Grund ignorieren möchten. Wir legen uns selbst Rechenschaft ab und bemerken, ob wir unsere Ziele erreicht haben, oder nicht. Eine gute Methode ist ein Résumé am Ende eines Tages, bei dem wir uns Fragen dieser Art beantworten sollten:

  • Welchem Ziel/Teilziel bin ich heute näher gekommen?
  • Welche Aufgabe habe ich gut gelöst?
  • Welche Aufgabe habe ich erneut verschoben und warum?
  • Was habe ich dazugelernt?
  • Wo habe ich einen Fehler gemacht?/Was hätte ich besser machen können?
  • Gab es unnötige “Zeitfresser”?
  • Wann hätte ich “NEIN” sagen sollen?

Die Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen, mit einem wohlwollenden Blick auf sich selbst (Ich darf Fehler machen.) können helfen, zu mehr Bewusstheit im Umgang mit sich selbst und der eigenen Lebenszeit zu gelangen und Prokrastination vorzubeugen.

Coaching zur Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch

Was erwartet Sie im Vorstellungsgespräch? Worauf sollten Sie sich vorbereiten?

1. Sammeln Sie Informationen über das Unternehmen, nutzen Sie dazu die Homepage, Pressemitteilungen, googeln Sie den Firmennamen

2. Bereiten Sie Ihre Selbstpräsentation vor, hier werden Sie aufgefordert, ca. 5 min über Ihren beruflichen Lebensweg zu sprechen. Wiederholen Sie aber nicht Ihren Lebenslauf, sondern betonen Sie jene Berufserfahrung, die Sie für die ausgeschriebene Stelle interessant macht.

3. Bereiten Sie sich auf Fragen zu Ihrem Lebenslauf (Lücken und Brüche), auf Hintergrundfragen zu Ihrer Berufserfahrung vor (z.B. “In welchem Projekt waren Sie besonders erfolgreich”?)

4. Bereiten Sie sich auf Fragen zu Ihrer Person vor, Ihre Stärken und Schwächen natürlich, aber auch auf Fragen zu Ihrer Belastbarkeit/Stress, Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit, Ihre Erfolge und Misserfolge.

5. Bereiten Sie sich auf Fragen zu Ihrer Motivation vor: Warum haben Sie sich bei diesem Unternehmen beworben? Was interessiert Sie an der ausgeschriebenen Stelle? Hier sollten Sie mehr als nur – find ich spannend – sagen können!

6. Überlegen Sie sich, wie Sie mit unterlaubten Fragen, z.B. nach Ihrer Familienplanung umgehen. Auf diese Frage müssen Sie nicht wahrheitsgemäß antworten!

7. Machen Sie sich Gedanken zu Ihren Gehaltsvorstellungen! Nutzen Sie entsprechende Listen im Internet, beachten Sie aber auch Ihre Berufserfahrung, die Branche und die Größe des Unternehmens.

Haben Sie noch Fragen und wollen Sie sich gründlich vorbereiten, Ihre Selbstpräsentation üben? www.es-change.de

Elke Stuhlmann

 

Postkorbübung im Assessment Center

Sie haben eine Einladung zu einem Assessment Center erhalten und eine der vorgesehenen Übungen wird die Postkorbübung sein? Ca. 50% der Unternehmen nutzen diese Übung um Ihre Belastbarkeit und Führungsqualität zu testen.

Folgendes kommt auf Sie zu: Sie erhalten eine Beschreibung Ihrer Position in einem fiktiven Unternehmen. Dazu ein Organigramm und einen Kalender. Und eine große Anzahl von Posteingangsschreiben ähnlich den Emaileingängen heutzutage. Die Situation kann beispielsweise sein, dass Sie 3 Wochen im Urlaub waren, jetzt 2 Stunden Zeit haben und dann für 3 Tage auf Dienstreise müssen. Nun müssen Sie entscheiden, was Sie mit den einzelnen Posteingängen machen. Sie Priorisieren und Delegieren. In der Regel haben Sie 1 Stunde Zeit für diese Übung, die Zeit ist oft knapp bemessen.

Wie gehen Sie nun vor? Lesen Sie zuerst die gesamten Unterlagen einmal quer, damit Sie einen kurzen Überblick bekommen, was auch auf dem letzten Blatt/Posteingang steht. Danach machen Sie sich gründlich mit Ihrer Funktion und vor allem mit dem Organigramm und ggf. Ihren Mitarbeitern vertraut. Im Anschluss arbeiten Sie die einzelnen Posteingänge ab und notieren kurz auf dem Schreiben, wie Sie sich entscheiden. Z.B. Rücksprache mit …, Weiterleitung an Vertrieb, Auftrag an Ihre Assisstentin usw.

Ist die Zeit um, wird  ein Beobachter mit Ihnen  die Übung auswerten. D.h. Sie schildern kurz wie Sie sich in jedem einzelnen Posteingang entschieden haben und erläutern auch warum Sie diese Entscheidung getroffen haben.

Achten Sie vor allem bei der Übung darauf, dass Sie unter Zeitdruck stehen, halten Sie sich also nicht zu lange an den einzelnen Posteingängen auf. Und Delegieren Sie, ein zukünftige Führungskraft sollte in der Lage sein, Arbeit abzugeben.

Elke Stuhlmann

Vom Umgang mit Ängsten

In diesem Blog geht es viel um Veränderungen von Gewohnheiten. Eine häufige Begleiterscheinung von Veränderungen sind Ängste. Dabei ist es erstmal völlig nebensächlich, ob sie berechtigt sind oder nicht. In unserer psychischen Realität existieren sie. Ängste verändern unsere Wahrnehmung und lassen uns anders handeln.

Häufig sagen Klienten – wie zur Entschuldigung – dass Ihre Ängste ja gar nichts mit der Realität zu tun haben und dass diese “dumm” oder irrational seien. Aber welche Konsequenz sollte daraus folgen? Heißt das, dass diese Ängste eigentlich gar nicht sein dürfen? Das man selbst irgendwie “falsch” ist, das solche Gefühle keine Daseinsberechtigung haben? Sicherlich, Angst ist kein besonders angenehmes Gefühl, aber eine solche Denkweise und Bewertung macht die Sache häufig nur noch schlimmer. Teile (Gefühle) von uns werden nicht gesehen und im wahrsten Sinne des Wortes wegrationalisiert.

Das Problem ist aber: Sie sind in unserer subjektiven Realität vorhanden und das zählt. Werden Ängste ignoriert, werden sie in der Regel immer größer.

Der beste Umgang mit Ängsten ist, sie wahr- und ernst zu nehmen. Nicht der Kampf gegen Angst hilft, sondern zunächst ein Akzeptieren, um auf dieser Basis eine Lösung zu entwickeln.

Dabei ist wichtig, konkrete Befürchtungen zu benennen, wie irrational sie auch sein mögen. Damit gibt man diesen Gefühlen den nötigen Raum und die nötige Beachtung und ist besser in der Lage, auf diese Gefühle zu reagieren. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Gefühlen wird häufig schon ein Stück des Weges gegangen. Ängste, die dann wieder auftauchen, sind bekannter, man ist nicht mehr so überrascht und darauf eingestellt, dass man ihnen wieder begegnen werden.

Veränderungsfähigkeit ist demnach immer auch davon abhängig, wieviel Angst man in seinem Leben akzeptieren möchte.

Rationalität und Intuition – ein Gegensatz?

Bewußte Entscheidungen treffen

Das rechtzeitige und bewußte Treffen von Entscheidungen wird in der Psychologie “proaktives Handeln” genannt. Im Gegensatz zu reaktivem Handeln hat es den Vorteil, dass wir selbst die Initiative ergreifen und zusätzlich mehr Handlungsoptionen eröffnet werden. Damit haben wir mehr Wahlfreiheit aber auch mehr Verantwortung für das eigene Verhalten im Vergleich zum reaktiven Verhalten, wo wir recht schnell die Verantwortung auf andere Menschen oder Situationen übertragen. Wie können wir solche Entscheidungen nun am besten treffen?

Aus dem Bauch heraus – Die Intuition

Entscheidungen werden nicht nur nach rein rationalen Gesichtspunkten gefällt sondern auch nach emotionale Befindlichkeiten. Es ist ein Irrtum, dass die besseren Entscheidungen ausschließlich nach rationalen Gesichtpunken gefällt werden. Emotionale Beweggründe zeigen grundlegende Werte oder Haltungen der Personen, die nicht immer bewusst sein müssen.
Aber auch Entscheidungen, die auf Intuition beruhen, “aus dem Bauch heraus” getroffen sind, müssen nicht die besseren Entscheidungen sein. Unbewusste emotionale Impulse können in diesem Fall angelernte emotionale Muster sein, die in unserem aktuellen Leben nicht mehr angemessen sind.

Die unbewusste Angst vor den Konsequenzen einer Entscheidung kann beispielsweise immer wieder dazu führen, dass wir uns gegen diese Option entscheiden, obwohl sie uns unserem Ziel näher bringen würde. Wir haben uns hier aufgrund eines ersten emotionen Impulses dagegen entschieden.

Hinter der Beliebtheit der Intuition steht sicherlich auch die Hoffnung, dass wir uns die anstrengenden Prozesse des Nachdenkens und Abwägens sparen können.

Rationalität und Intuition – ein Gegensatz?

Es ist nicht sehr sinnvoll, aus Rationalität und Intuition einen Gegensatz zu machen. Intuition ist nichts, was uns unfehlbar zum richtigen Ergebnis führt. Sie ist eine unbewußte Verarbeitung und Bewertung von Wahrnehmungen, Eindrücken und Informationen. In Abhängigkeit von den uns vorliegenden Informationen entstehen deshalb auch völlig unterschiedliche Intuitionen.

Eine intuitive Bewertung kann also auch nach einer Analyse aller Fakten entstehen und stark von unserem ersten spontanem, und möglicherweise auf einseitigen und unzureichenden Informationen entwickeltem “Bauchgefühl” abweichen.

Zusammenarbeit von Ratio und Intuition

Optimalerweise arbeiten beide “Instanzen” zusammen, kommunizieren miteinander, ergänzen sich durch ihre Vorteile. Mit Hilfe der Ratio können wir versuchen, unser erstes “Bauchgefühl” zu verstehen, d. h. die Gründe für eine Wahl in die eine oder andere Richtung herauszufinden. Was spricht für die verschiedenen Optionen und was dagegen? Diese kann man dann mit den rationalen Anforderungen vergleichen, die durch Fakten und gesammelte Informationen ergänzt werden.