Arbeitspläne zur Fokussierung

Wenn es um Zeitmanagement geht, ist schriftliche Aufgabenplanung ein wichtiges Werkzeug.
Welche Vorteile hat das schriftliche Festhalten meiner Aufgabenplanung?

  • Pläne setzen Ressourcen frei. Dinge, die ich mir ohne schriftlichen Plan merken muss, habe ich nun auf einem Blatt Papier.
  • Pläne mit angemessenen, konkreten Zielvorgaben können eine Sogwirkung entfalten.
  • Pläne können helfen, unsere Gedanken zu fokussieren. Durch eine konkrete Tagesplanung kann ich immer wieder zum Thema zurückkommen. Dies ist insbesondere bei umfangreichen Projekten sehr hilfreich. (Ich finde dies die wichtigste Funktion von Plänen.)
  • Pläne helfen uns, den zeitlichen Aufwand, den ich für eine Aufgabe einsetze, zu beobachten. Wenn der zeitliche Aufwand für eine Aufgabe höher ist, als ich dachte, woran liegt es? Ist der Aufwand gerechtfertigt? Ist es wirklich so wichtig, ob ich noch diese oder jene Kleinigkeit bearbeite? Habe ich den Aufwand wirklich unterschätzt?
  • Pläne können Kreativität fördern. Multitasking beschränkt die Kreativität. Nur wenn wir uns wirklich auf etwas (eine Sache) konzentrieren, können wir auch kreativ sein. (Do what you do.)

Viele meiner Klienten wissen dies, setzen dies aber häufig nicht um. Woran kann das liegen?

Einige meiner Klienten empfinden ihre Pläne als Werkzeug zur Gängelung.

„Meine Pläne funktionieren nicht, ich halte sie nicht ein. Pläne zeigen mir immer wieder, dass ich versage.“

„Pläne richten meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Aufgaben, die ich eigentlich vermeiden möchte.“

Ist es auf der einen Seite wichtig, zu schauen, wie konkret und realistisch ich meinen Arbeitstag plane, kann es auch interessant sein, welche meiner Gefühle mich bei der Abarbeitung sabotieren.

Selbstkontrolle ist trainierbar

Der Spiegel zitierte im Juli in einem Artikel über die Zusammenhänge von Selbstdisziplin und Lebenszufriedenheit Forschungsergebnisse, die besagen, dass Selbstkontrolle oder auch die Willenskraft sich ähnlich wie ein Muskel verhält .

Selbstkontrolle verhält sich wie ein Muskel, was bedeutet das? In Untersuchungen zur Selbstkontrolle hat man herausgefunden (Baumeister, 2012, pdf)), dass die Selbstkontrolle je nach Anforderung Ermüdungserscheinungen zeigt. So führen Aufgaben, die die Selbstkontrolle beanspruchen, wie beispielsweise die Erlaubnis, nur den Rettich zu essen, wenn gleichzeitig ein Teller mit Keksen auf dem Tisch steht, zu einer Verringerung der Ausdauer bei nachfolgenden Aufgaben. Die Probanden geben schneller auf, wenn sie vorher schon den Keksen widerstanden haben. Der Ermüdungseffekt tritt also schnell ein. Gleichzeitig gibt es aber, wie auch beim Muskel, einen Trainingseffekt. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass Raucher besser und anhaltender mit dem Rauchen aufgehört haben, wenn sie vorher ein Selbstkontrolltraining durchlaufen haben. Eine Gruppe sollte täglich einen Handexpander 2 mal am Tag so lange drücken, bis sie nicht mehr können, die 2. Gruppe sollte für 2 Wochen vor dem Rauchstopp auf süße Nahrung verzichten. Dies sind beides Anforderungen, die eine starke Willenskraft bzw. Selbstkontrolle erfordern, wie man sich gut vorstellen kann. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich bei beiden Gruppen, dass diese nachhaltiger auf das Rauchen verzichteten.

Zudem konnte gezeigt werden, dass auch das Treffen von Entscheidungen einen Einfluss auf die Stärke unserer Selbstkontrolle hat. Je mehr Entscheidungen getroffen werden, desto weniger Energie haben wir für die Selbstkontrolle und erliegen mehr Versuchungen. Ähnlich verhält es sich mit Eigeninitiative, je mehr Selbstkontrolle ausgeübt wurde, desto eher reagierten Probanden nachher passiv und wählten Standardoptionen.

Was bedeuten beide Effekte auf die Selbstkontrolle für unseren Alltag? Er erklärt, dass es sinnvoll ist, schwierige Aufgaben oder Entscheidungen an den Anfang des Tages legen und damit zu rechnen, dass nach einem solchen „Training“ ein Erschöpfungseffekt bezogen auf die Selbstdisziplin eintritt.
Gleichzeitig sollten wir im Hinterkopf haben, dass Trainingseffekte immer später eintreten und wir daher täglich am Ball bleiben sollten. D. h. auch gibt keinen Schalter und danach geht es automatisch leichter, sondern es geht immer wieder erneut darum, sich bei schwierigen Aufgaben oder Entscheidungen zu überwinden.

Richtig frei machen

Bei Aufschieberitis nagt häufig das schlechte Gewissen an einem, auch wenn wir „Feierabend“ haben.
Hier ist es wichtig, sich darin zu bestärken: Wenn ich schon frei mache, dann bitte auch richtig.
Freizeit, Ablenkung, Erholung bringen uns in einen Abstand zur Arbeit, der es uns ermöglicht, am nächsten Tag/nach dem Urlaub mit einem freieren Blick der Arbeit zu begegnen.
Falls die Gedanken zu sehr an der Arbeit hängen, ist es gut, in der Freizeit Dinge zu tun, die uns in Ablenken bzw. andersartig beanspruchen, beispielsweise ein Beachvolleyballspiel mit Freunden.

Grenzen, auch was die Arbeitszeit angeht, sind wichtig. Manche Klienten berichten, dass sie – einmal im im „Flow“ – bis zur Erschöpfung weiterarbeiten. Damit arbeiten sie mehr, als gut für sie ist, um die gerade erlebte Effektivität auszunutzen. Hier gilt dennoch: Die Arbeitszeit nicht zu lange ausdehnen und sich freie Zeit zur Erholung gönnen. (Flowerlebnisse können und sollten erwarbeitet werden und kein Ergebnis des Zufalls sein.)

In diesem Sinne: Eine genußvolle und erholsame Freizeit!

Skalierung als Methode des Selbstmanagements

Die Zerlegung eines Aufgabe in kleine Teilaufgaben ist eine wirksame Methode des Selbstmanagements. Langzeitziele können in kleinere, bearbeitbare Einheiten eingeteilt werden, die Erfolgserlebnisse schaffen, ohne das Gesamtziel aus den Augen zu verlieren. Eine gute Methode dafür ist die so genannte Skalierung, die ich hier vorstellen möchte:

Stellen Sie sich eine Skala von 1 bis 10 vor, wobei 1 für den schlechtesten Zustand bezogen auf die Erreichung Ihres Zieles steht und 10 für den Ideal-/Wunschzustand.

Beantworten Sie folgende Fragen:

  • Bei welcher Ziffer stehen Sie jetzt?Falls diese Ziffer höher als 1 liegt, wie haben Sie bis an diesen Punkt geschafft? Wodurch unterscheidet sich dieser Zustand vom Zustand der 1? (Dies ist eine gute Methode, sich das bisher Geschaffte bewusst zu machen und anzuerkennen.)
  • Wenn Sie sich vorstellen, Sie wären eine Ziffer weiter, was wäre dann anders? Was hätten Sie erreicht? Welche konkreten und messbaren Ergebnisse liegen Ihnen vor?
  • Bei welcher Ziffer wären Sie zufrieden mit Ihrer Arbeit? Muss dies die 10 sein oder reicht auch eine 8 oder 9?

Prüfen Sie regelmäßig, wo Sie sich auf Ihrer Skala befinden.

Tägliche Erfolge sehen und anerkennen

Häufig erlebe ich in den Sitzungen den Wunsch meiner Klienten, „irgendwas mit den Händen tun“ zu wollen, einen Tisch zu bauen oder Ähnliches. Dahinter steht die Sehnsucht, den täglichen Erfolg der Arbeit zu sehen. Viele haben aber eine Arbeit, bei der der eigene Erfolg nicht sofort ersichtlich ist. So stellt sich oft die Frage: Was habe ich heute geschafft? Habe ich überhaupt etwas erreicht? Häufig bleiben sogar die Misserfolge des Tages viel stärker im Gedächtnis haften und man ist frustriert.

Eine gute Möglichkeit ist da, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Dabei ist die ehrliche Beantwortung folgender Fragen hilfreich:

  • Welchem Ziel/Teilziel bin ich heute näher gekommen?
  • Welche Aufgabe habe ich gut gelöst?
  • Welche Aufgabe habe ich erneut verschoben und warum?
  • Was habe ich dazugelernt?
  • Was hätte ich besser machen können?
  • Was war ein unnötiger „Zeitfresser“? Wann hätte ich „NEIN“ sagen sollen?
  • Was hat mir viel Spaß gemacht?
  • Was hat mich geärgert?
  • Wer hat mich heute positiv beeinflusst?

Gönnen sie sich die Möglichkeit, ihr Erreichtes bewusst anzuerkennen und aus dem vergangenen Tag für den nächsten Tag zu lernen.

Dr. Monika Wolff

Was schreibst du heute?

Beim Schreiben von größeren Arbeiten ist es sehr wichtig, möglichst früh innerhalb eines Projektes zu beginnen. Aus Unsicherheit wird das Schreiben häufig erst in Angriff genommen, wenn man das Gefühl hat, ausreichend gelesen zu haben.
Aber auch wenn noch nicht jede relevante Fachliteratur gelesen wurde, kann man loslegen. So ist es schon früh möglich, Gliederungen zu verfeinern, Fachbegriffe oder die angewendete Methodik/Stichprobe darzustellen.

Das Schreiben hat erste Priorität. Wenn jeden Tag ein wenig geschrieben wird, haben wir automatisch jeden Tag eine kleine Schreibübung absolviert und eigene Schreiberfahrungen gesammelt. Letztendlich zählt das Geschriebene und nicht die Anzahl der gelesenen Artikel.
Wenn wir uns zum Schreiben niedersetzen, sollten wir uns vorher Gedanken darüber machen, worin das heutige Schreibziel besteht. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, tägliche Schreibziele zu definieren:

  • Zum Einen können wir ein Ziel anhand der Zeit definieren: ich werde jetzt 2 Stunden schreiben. Diese Methode birgt die Gefahr der leichten Ablenkbarkeit.
  • Eine weitere Methode ist das Schreiben, bis man 1-2 gute Ideen hat.
  • Auch über die Menge des Geschriebenen lässt sich ein Ziel festlegen: ich schreibe heute 2 Seiten. Dabei hilft es, wenn man sich immer wieder vor Augen hält, dass der Text noch nicht perfekt sein muss, sondern eine Arbeitsgrundlage bildet.
  • Eine weitere, von mir präferierte Methode, ist die Orientierung an einem inhaltlichen Ziel. Hier lege ich fest, was genau ich heute beschreiben möchte: Den aktuellen Forschungsstand zu Thema X, eine bestimmte Studie, ein bestimmtes Modell, eine Begriffsklärung. Diese Methode ist insofern hilfreich, da ihr immer eine inhaltliche Strukturierung vorangeht und gleichzeitig Arbeitsschritte für die Erstellung eines Kapitels/Abschnittes festgelegt werden.

Generell kann jeder für sich schauen, welche Methode die für ihn passende ist. Viel Erfolg!

Notfälle leicht gemacht

Häufig ist folgender Arbeitstil anzutreffen: Wir beginnen etwas und wenn wir keine Lust mehr haben, daran weiterzuarbeiten, wenden wir uns einer neuen Aufgabe zu. So haben wir viele verschiedene Aufgaben auf unserer internen To-Do-Liste, die alle gleichzeitig bearbeitet werden. Bis uns eines Tages auffällt, dass die Deadline für eine Bewerbung heute ist, ein Angebot nachmittags rausgeschickt werden muss oder der Chef die Quartalszahlen morgen auf dem Tisch haben möchte. Auf diese Weise sind Arbeitsbedingungen geschaffen, bei denen Notfälle ständig an der Tagesordnung sind.

So entstandene Pseudo-Notfälle sind Notfälle, die nur dadurch entstehen, weil wir sie nicht schon eher erledigt haben.

Dadurch werden Aufgaben später als angekündigt oder auf den letzten Drücker erledigt. Dass darunter die Qualität der Arbeit leidet, ist klar. Wir geraten in Streß und übersehen eventuell einige wichtige Dinge. Angenommen, wir sind selbständige Unternehmer – wir werden mit dieser Arbeitsweise wohl nur Kunden bekommen, wenn wir einen sehr günstigen Preis anbieten, um den Mangel in der Qualität und der Zuverlässigkeit wett zu machen.

Was ist hier das Problem? Im vorher beschriebenen Arbeitsstil regiert der Zufall.
Hier wird nur auf das reagiert, was unsere Aufmerksamkeit erweckt. Es wird zur gleichen Zeit an einer großen Anzahl von Aufgaben gearbeitet. Dadurch, dass es keine Vorstellung davon gibt, wieviel Arbeit am Tag geschafft werden kann, wird die Arbeit eines Tages nicht beendet werden.

Wie kann man darauf reagieren? Beobachten Sie sich an einem normalen Arbeitstag: Schauen Sie nach Gelegenheiten, bei denen Sie eine Aufgabe nach dem Zufallsprinzip erledigen. Dies kann aufgrund einer plötzlichen Eingebung geschehen oder aufgrund von Aufgaben, die an Sie herangetragen werden.

Typische Beispiele solcher zufälligen Aktivitäten sind:

  • Neue eMails sind angekommen und Sie unterbrechen Ihre aktuelle Tätigkeit, um Sie zu lesen
  • Sie tun eine Menge weniger wichtige Aufgaben, obwohl Sie eigentlich an einem Projekt arbeiten wollten, das wichtiger ist.
  • Ein Kunde/Kollege/Freund ruft an und bittet Sie um etwas und Sie lassen alles liegen, um sich dem zu widmen
  • Sie haben eine gute Idee und fangen sofort an, sie umzusetzen
  • Ihr Chef packt einige Aufgaben auf Ihren Schreibtisch und Sie schmeißen sofort Ihren Tagesplan um
  • Jemand empfiehlt Ihnen eine Webseite und Sie verwenden einige Minuten, um sich diese anzusehen
  • Sie erinnern sich an etwas, das Sie vergessen haben und widmen sich dem sofort, um es zu erledigen

Was ist hilfreich?

  1. Bringen Sie eine (auch zeitliche) Distanz zu ihren Aufgaben. Sie müssen nicht sofort erledigt werden.
  2. Bringen Sie eine Ordnung in Ihre Aufgaben. Legen Sie fest, was Sie wann erledigen wollen.
  3. Akzeptieren Sie die Spannung, die entstehen kann, wenn Sie nicht das Gefühl haben, sofort an allen anstehenden Aufgaben zu arbeiten

Weiterführende Literatur: Foster, M. (2006). Do it tomorrow, Hodder & Stoughton.

Prüfungsangst überwinden

Häufig wird mir bei meiner Arbeit die Frage gestellt, wie man besser mit Prüfungsangst umgehen bzw. wie und man sich gut auf Prüfungen vorbereiten kann.

Zunächst einmal ist es wichtig, sich konkrete Ziele vorzunehmen, die möglichst meßbar sind. D.h. das gesamte zu lernende Material sollte in kleine Teilziele zerlegt werden, deren erreichen ich bemerken kann. Schwammige Formulierungen wie „Ich lerne Abschnitt X“ gehören hier nicht her, sondern eher, ich möchte Modell Y verstehen. Wie Sie bei der Planung des Lernstoffes vorgehen, kann man mit dem Kochen nach einem Rezept vergleichen. Auch hierbei muss schrittweise vorangegangen werden, die Aufmerksamkeit immer auf dem aktuellen Arbeitsgang gelegt werden und nicht auf das Endprodukt.

Versuchen Sie, das Lernen abwechslungsreicher zu gestalten. Lernen wir lange Zeit in einem immer gleichen Modus, kommt es sehr schnell zu Ermüdungserscheinungen. Daher sollten Sie zwischendurch ihren Lernmodus immer mal wechseln: bspw: Lesen, einander Abfragen, eine Übersicht des zu Lernstoffes anfertigen.

Lernzeit ist Arbeitszeit, deshalb achten Sie besonders darauf, eine Abgrenzung zu Ihrer Freizeit zu schaffen, in der Sie sich erholen können. Sport ist zum Beispiel sehr gut, um sich von der Kopfarbeit zu regenerieren und gibt einem die Möglichkeit, angestaute Spannungen loszuwerden. Treffen Sie sich mit Freunden, beschäftigen Sie sich mit ganz anderen Dingen.
Aber auch während des Lernens sollten Sie auf Pausen achten. Unser Gehirn benötigt diese Phasen, da es sonst zu schnell „schlapp macht“. Mehr als 4-5 h konzentriertes Arbeites am Tag sollten dabei nicht sein, nach 45 Minuten eine kleine Pause von 5-10 Minuten.

Zur Vorbereitung auf die Prüfung können Sie den Prüfungstag vor Ihrem inneren Auge ablaufen lassen: Wann stehe ich auf? Was esse ich zum Frühstück? Was werde ich anziehen? Was werde ich nach bestandener Prüfung tun? Versuchen Sie, positiv zu imaginieren: was genau soll in der Prüfungssituation passieren und nicht, was soll nicht passieren. Aus Angst driftet man häufig in eine Worst-Case-Situation: ich bin blockiert, mein Kopf ist leer, ich bekomme kein Wort raus. Wichtig ist es hier, sich immer wieder zu fragen: Was soll stattdessen passieren? Es geht also um einen positiven Sollzustand vorzustellen und nicht, was nicht passieren soll.

Mut macht es, zu rekapitulieren, welche Prüfungen man schon bestanden hat, bzw. welche schwierigen Situationen man in seinem Leben schon gemeistert hat. Vielleicht machen Sie zusammen mit Freunden eine Liste, mit der Sie sich zwischendurch immer mal wieder Mut machen können.

Kurz vor der Prüfung ist es hilfreich, sich auf den eigenen Körper zu konzentrieren. Wo bin ich angespannt, kann ich vielleicht etwas loslassen? Kneifen Sie ihr Gesicht kräftig zusammen und reissen dann Mund und Augen weit auf. Versuchen Sie so, etwas von der Spannung abzugeben. Versuchen Sie, tief in Ihr Becken zu atmen. Versuchen Sie, die Angst nicht zu bekämpfen, sondern sie zu akzeptieren.

Sollte dies alles nicht wirksam sein, ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe durch ein Coaching oder eine Psychotherapie zu holen.

Stressresistenz und Fähigkeiten zum Selbstmanagement nehmen ab

Ein Artikel in der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie (3/2011, Kaufexemplar) ließ mich diese Woche aufhorchen. H. Wottawa und andere untersuchten in einer Langzeitstudie die beruflichen Lebensziele und Leistungspotenziale junger Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen. Zwischen 2003 und 2010 haben sie 20.928 junge Studierende untersucht, davon standen 1.556 kurz vor oder kurz nach ihrem Studienabschluss. Verschiedene Leistungsdimensionen, wie Durchsetzungsvermögen, Problemlösungsbereitschaft, Teamorientierung, Stressresistenz und Selbstmanagement, wurden mit psychologischen Testverfahren erfasst, die in ähnlicher Form auch für die Auswahl von Bewerbern in Unternehmen eingesetzt werden.

Kurzfassung der Ergebnisse: Führungspotenzial und Durchsetzungsvermögen nahmen im Vergleich zu den Daten von 2003 deutlich ab. Ebenso die typischen Arbeitstugenden wie Gewissenhaftigkeit, Problemlösebereitschaft, aber auch Teamfähigkeit. Private Selbstverwirklichung ist als Arbeitsmotivation deutlich gestiegen.

Bezogen auf eine allgemeine Belastbarkeit zeigte sich, dass die „Stressresistenz“ bei beiden Geschlechtern deutlich abgenommen hat (bei Männern von 61% auf 40%, bei Frauen von 49% auf 37%). Die Fähigkeit zum „Selbstmanagement“ hat ebenfalls bei beiden Geschlechtern abgenommen, besonders deutlich bei Männern von 48% auf 33%, bei Frauen von 56% auf 50%.

Diese Ergebnisse finde ich in dieser Deutlichkeit erstaunlich. Es ist sicherlich interessant, sich mit den Ursachen dieser Entwicklung zu befassen. Durch die Reformierung vieler Studiengänge sind Stressresistenz und Selbstmananagement nochmal eher gefragt – was bedeuten obige Ergebnisse in diesem Zusammenhang? Und man muss sich hier natürlich fragen: Was bedeutet dies für Unternehmen – wie kann auf diese veränderten Bedingungen eingegangen werden?

Ich schaffe das!

In meiner täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder, wie allein die Erwartung über die eigenen Fähigkeiten, ein Ziel zu erreichen, einen großen Einfluß auf das tatsächliche Ergebnis haben.
Dabei spielt der Begriff „Selbstwirksamkeitserwartung“ eine erhebliche Rolle, der schon in den 80ern von Bandura eingeführt wurde und mittlerweile eine immer größere Beachtung erfährt.

Was ist Selbstwirksamkeit?
Selbstwirksamkeitserwartung wird definiert als die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenzen bewältigen zu können. [1]

Man unterscheidet die Konseqenzerwartung (Wenn ich mir diese Informationen/Fähigkeiten angeeignet habe, werde ich die Prüfung bestehen) von der Kompetenzerwartung. Die Kompetenzerwartung ist eine Erwartung mit Selbstbezug: Ich bin in der Lage, mir die erforderlichen Informationen oder Fähigkeiten anzueignen (Selbstwirksamkeitserwartung).

Einfluß auf Zielsetzungen
Immer dann, wenn es um die Erreichung von Zielen geht, spielen solche Selbstwirksamkeitserwartungen (SWE) einen große Rolle. Dabei kann es sich um Leistungsziele handeln oder um Ziele, die auf die Veränderung des Lebens hinwirken (Sozialbeziehungen, mehr Sport treiben, mit dem Rauchen aufhören).
Dabei zeigt sich, das schon in der Phase der Zielsetzung die Erwartung der Selbstwirksamkeit eine Rolle spielen. So setzen sich Personen mit höherer SWE höhere Ziele als Personen mit niedriger SWE.

Einfluß auf Umsetzung
Soll die Intention dann in konkretes, aufgabenbezogenes Handeln umgesetzt oder sogar gegen Widerstände durchgesetzt werden, haben auch hier Personen mit einer höheren Selbstwirksamkeitserwartung die besseren Karten. Wer läßt sich nicht mal gern von schwierigen Aufgaben durch kurzfristig attraktivere Handlungsalternativen ablenken? Die Überzeugung, solchen Widerständen zu wiederstehen, spielt hier eine wichtige Rolle.

Selbstwirksamkeit oder eine optimistische Selbstüberzeugung haben somit einen Einfluß auf unser
Denken, Fühlen und Handeln, aber auch auf Zielsetzung, Anstrengung und Ausdauer beeinflusst. Damit ist diese Erwartung ein Kernaspekt der Selbstregulation. Das Spannende dabei ist aber:

Diese Einflüsse der Selbstwirksamkeit auf die Selbstregulation sind weitgehend unabhängig von den tatsächlichen Fähigkeiten der Person.

Dies bedeutet zum Einen, dass wir einen Mangel an Fähigkeiten durch eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung und der damit verbundenen Anstrengungsbereitschaft wieder wett machen können. Andererseits heißt es auch, dass nicht nur intellektuelle Fähigkeiten bspw. in akademischen Bereichen einen hinreichende Bedingung für gute Leistungen sind. Es ist daher wichtig, Probleme im Bereich der Selbstwirksamkeitserwartung anzuerkennen. Auf dieser Basis ist es dann möglich, Veränderungen herbei zu führen.

Eine gute Strategie zur Veränderung der SWE ist die Konzentration auf Nahzielen. Nahziele haben motivationalen Charakter, weil sie zeitnah durch unser eigenes Handeln zur Zielerreichung führen können und uns zufrieden machen. Über den motivierenden Charakter von Zielen habe ich hier schon geschrieben.

[1] Schwarzer & Jerusalem, Jerusalem, Matthias [Hrsg.]; Hopf, Diether [Hrsg.]: Selbstwirksamkeit und Motivationsprozesse in Bildungsinstitutionen. Weinheim : Beltz 2002, S. 28-53. – Zeitschrift für Pädagogik, Beiheft; 44