Multitasking funktioniert nicht – Konzentriert arbeiten mit 3F

Derek Dean und Carolin Webb befassen sich in ihrem Artikel Recovering from Information Overload mit Informationsüberfrachtung und der damit einhergehenden Aufsplittung von Aufmerksamkeit.

Sie schreiben über die Gefahren von Multitasking:

Multitasking bewirkt Verlangsamung Unser Gehirn ist dafür geschaffen, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren. Wechseln wir zwischen Aufgaben, werden wir weniger effizient. Sie berichten über eine Studie, in der die Teilnehmer 30% mehr Zeit benötigten und doppelt so viele Fehler machten, wenn sie Aufgaben parallel bearbeiten sollten.
Wenn wir zwischen Aufgaben wechseln, muss unser Gehirn die kognitiven Regeln für die alte Aufgabe unterdrücken und neue für die neuen Aufgaben erstellen.
Bei einfachen Aufgaben ist dies leichter möglich; schwieriger wird es bei komplexeren Aufgaben, für die wir nachdenken müssen.

Multitasking mindert unsere Kreativität Die Wahrscheinlichkeit kreativen Denkens wird größer, wenn wir uns auf eine Aktivität für einen bestimmten Teil des Tages konzentrieren und mit anderen zusammenarbeiten. Kreatives Denken wird unwahrscheinlicher, je stärker unser Tag durch viele verschiedene Aktivitäten aufgesplittet ist.
Zum kreativen Lösen von Problemen müssen wir verschiedene Gedanken abrufbar halten und Verbindungen zwischen ihnen bilden. Dies wird schwieriger, wenn wir den ganzen Tag sehr schnell von einem zum anderen Gedanken springen.

Multitasking ist angstauslösend und kann abhängig machen Unter Laborbedingungen zeigten Multitasker erhöhte Grade von Stresshormonen. 2/3 einer Gruppe von Manager glauben, dass Informationsüberfrachtung zu weniger Zufriedenheit im Job führt, 1/3 denken sogar, dass es gesundheitsschädigend sei.
Forscher in Harvard haben heausgefunden, dass die neuralen Effekte bei Multitasking denen abhängigmachender Drogen ähnlich sind. Die ist ein Effekt, den jeder vielleicht kennt: Wer schaut nicht doch schnell auf das klingelnde Handy, auch wenn er gerade eine ganz andere Aufgabe bearbeitet.

Vom psychologischen Aspekt her ermöglich Multitasking eine ständige Ausweichmöglichkeit vor unbequemen Aufgaben und ist damit ein wunderbarer Mechanismus zum Aufschieben. Zudem verliert man häufiger den Überblick und dies widerspricht dem Grundsatz, sich ganz bewusst einer Aufgabe zuzuwenden. Die schlechtere Leistungsfähigkeit führt zu einer geringeren Selbstwirksamkeit d. h. ich mache die Erfahrung, dass ich nicht all dies bewirken kann, was ich mir vorgenommen habe.

Um Multitasking zu vermeiden und Singletasking zu forcieren, schlagen die Autoren folgenden Ansatz vor:

Focus:
Hier geht es darum, sich Zeit für einzelne Aufgaben zu verschaffen. Dadurch kann man konzentrierter arbeiten und hat eventuell noch Zeit für Unvorhergesehenes, neue Ideen dazu etc. Der Fokus soll auf dem Wesenlichen liegen, Entscheidungen können delegiert werden. Wenn man nicht jede Mail gleich beantworten muss, dann kann ich den Fokus länger auf die angegangene Aufgabe richten. Am besten ist es daher, nur zu bestimmten Zeiten Mail und Telefon abzufragen.

Filter:
Filtern Sie das Unwesentliche raus. Dies ist ein schwieriger Punkt und erfordert Übung. Hier hilft, immer wieder das Ziel zu fokussieren. Was soll das Ergebnis meines Tuns sein? Was benötige ich dazu? Informationen werden immer im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung durchforstet. Welche Fragen möchte ich mit dem Lesen dieses Artikels beantworten können?

Forget:
Wir brauchen Pausen. Kreatives produktives Arbeiten ist kaum länger als 4-5 Stunden am Tag möglich. Nach so viel Kopfarbeit brauchen wir eine Auszeit. Bewegung oder die Konzentration auf unseren Körper hilft unserem Gehirn, den Gedankenstrom mal zu unterbrechen. Hilfreich ist hier auch, mal nicht erreichbar zu sein, das Handy abzustellen, keine Mails zu lesen.

Burnout – Erholung allein reicht nicht aus!

Die ersten Anzeichen von Dauer-Stress und Burnout sind simpel, die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, die Fehlerquote steigt, die Merkfähigkeit sinkt, ein Abschalten von der Arbeit am Wochenende wird immer schwieriger. Der Körper läuft ständig auf Hochtouren, dass Stresshormon Cortisol baut sich nicht mehr ab. Das Immunsystem wird geschwächt, es stellen sich erste körperliche Beschwerden wie Nacken- und Rückenschmerzen oder Herz-Kreislauf-Probleme ein.

Die Idee, einfach mal 3 Wochen Urlaub zu machen, ist gut, reicht jedoch oft nicht aus. Um dem Dauerstress zu entkommen, können Sie natürlich das Unternehmen wechseln. Leider nehmen die Menschen jedoch ihre Probleme mit. Das Entscheidende ist, Ihre Einstellung zu verändern. Hilfreich hierbei sind folgende Fragen:

  • Liegen Ihre Stressoren eher im Außen – Ihrem Unternehmen – oder sind Ihre Stressoren eher in Ihrer Person begründet?
  • Was haben Sie bisher erreicht und was war der Preis dafür?
  • Wer oder was treibt Sie an? Wem wollen Sie was beweisen?
  • Was ziehen Sie aus der Arbeit, z.B. Bestätigung; das Gefühl, gebraucht zu werden; Anerkennung; Liebe?
  • Warum zieht Sie nichts in den Feierabend, nach Hause? 
  • Welche Einstellung haben Sie zu Perfektionsmus und Fehlern?
  • Was würde passieren, wenn Sie Ihre Einstellung zur Arbeit ändern würden? 

Diese Fragen können Sie sich stellen und versuchen, möglichst ehrlich zu beantworten. So können Sie mit der Zeit einen neuen Umgang mit Ihren Stressoren lernen, sich selbst weniger unter Stress, Leistungs- und Erfolgsdruck zu setzen.